"24 STUNDEN PFLEGE" DURCH PFLEGEPERSONAL
AUS POLEN IN IHREM ZUHAUSE
Die polnische Küche ist teilweise am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, großteils jedoch ist man bereits nach kurzer Zeit nicht nur heimisch, sondern mehr als Zuhause in Polen.
Beginnen wir mit dem Bigos, dem polnischen Krauttopf.
Es gibt sicherlich mehr Rezepte für dieses eine polnische Nationalgericht, als Einwohner in Polen.
Bigos besteht in seinen Grundzügen aus Sauerkraut, Weißkohl,
Trockenpilze und Trockenpflaumen sowie – in unterschiedlichen Mengen – Schweinefleisch, Schinken, Knoblauchwurst und gelegentlich auch Kartoffeln.
Je nach Vorhandensein der Grundbestandteile und vor allem dem Anlass wird Bigos variiert, normalerweise wird Schweinefleisch verwendet, es ist aber auch Rind oder
gar auch Wild oder eine Mischung dieser Fleischsorten nicht unüblich, geräucherte
Wurst oder andere Wurstsorten oder geräucherter Bauch, Kasslerbraten bis hin zum Haxen, wenn man Bigos kocht, lässt man sich mehr von Inspitration,
denn von einem Plan leiten, so dass es eigentlich kein feststehendes Rezept gibt. Mal mit, mal ohne Tomate, mit viel oder wehnig Zwiebel, mal aus Putenfleisch, mal
aus fettigem Bauchfleisch, mit viel Sauerkraut und weniger frischen Weißkraut, mal anders herum, mal mehr ins süssliche gehend, mal sauer, Zwiebeln, Karotten, mal mit Pilzen, mal ohne,
in jedem Fall jedoch deftig, regionale Unterschiede fließen ebenso ein.
Bigos wird gerne auf Vorrat gekocht, zum einen, da die erforderlichen Zutaten hierbei sowieso alleine schon aufgrund ihrer Anzahl eine recht große Menge ergeben
und das Bigos zudem besser wird, je größer die Zubereitungsmenge ist, vor allem aber, da durch mehrfaches Erwärmen der Geschmack noch einmal deutlich verbessert wird.
Zu Beginn werden die Zutaten langsam und recht lange gegart,
wodurch die Fleisch - und Wurstwaren ihren Fettanteil an das Kraut abgeben und die Gewürze, Wachholder, Lorbeer, Piment, Paprika, Kümmel, Koriander, Tomatenmark, Pfeffer,
Majoran, Knoblauch oder es ist auch möglich Chili und/oder Rotwein,
hierbei ganz wunderbar mit lösen und zu einem phantastischen Ganzen vereinen.
Raus kommt ein wildes Samelsurium von Geschmäckern in einem einzelnen Gericht. Je nach Laune der Köchin mal naturbelassener im Geschmack, mal deftig und scharf gewürzt, mal
figurbewusst und Fettarm, mal als prall geladene Kalorienbombe, jede Art der Zubereitung ist möglich.
Wenn man sich einmal darauf einlässt, lässt es einen nicht mehr los. Dazu ein Bierchen und ein stück herrliches frisches Brot oder Kartoffeln und man hört nicht eher auf, als dass nichts
mehr reinpasst, und selbst dann fällt das Aufhören schwer.
Die Zubereitung ist echte Handarbeit, Fertigprodukte kommen mit Ausnahme von Tomatenmark oder Sauerkraut nicht zum Einsatz.
Der Kohl, Zwiebeln, Karotten, müssen fein geschnitten werden, Wurst und Fleisch
ebenso, das lange Garen unter stetigem Rühren erfordert Zeit und Mühe, der Einsatz ist jedoch mehr als lohnend, das Endergebnis ist einfach grandios.
Direkt danach dürfte das Barszcz kommen, eine klare Rote-Bete-Suppe, die oft zu Pasteten oder gefüllten Pfannkuchen aus der Tasse getrunken wird oder als Tellergericht
mit uszka (wörtlich Öhrchen), kleinen Teigtaschen, die Tortellini ähneln, oder mit Pierogi serviert wird.
Auch hierbei gibt es Unterschiede
Zudem Flaki, eine Kuttelsuppe mit in Streifen geschnittenem Rinderpansen, Gemüse wie Karotten, Sellerie, Zwiebeln oft scharf gewürzt, vergleichbar mit dem ostpreußischen
Fleck oder den sächsischen Flecken. Wer keine Innereien mag, manschmeckt am Ende den innereientypischen Geschmack nicht mehr, die Suppe ist sehr würzig.
Dann die Kopytka – kleine Kartoffelklößchen, gekocht, meist mit Butter, Zucker und Zimt serviert. Der Name Kopytka heißt soviel wie kleine Hufen, was aus der Form der
Kopytka hervorgeht.
Pierogi, ein muss an jeder Raststätte und ebenso wie Bigos ein nationalgericht Polens, gekochte und/oder in Butter angebratene Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen
wie z.B. Sauerkraut, Weißkäse, Quark, Pilzen, Fleisch, Obst und Früchten. Pierogi sind im Grundprinzip durchaus vergleichbar mit den deutschen Maultaschen,
jedoch gibt es weitaus mehr Variationen der Füllung. Als Vorspeise, als Hauptgericht oder, mit Beeren gefüllt und mit Sahne übergossen als Nachtisch, einfach phantastisch.
Zur, eine säuerliche Getreidesuppe mit unterschiedlichen Zutaten, beispielsweise gekochten Eiern, Kartoffeln oder Wurst ist ebenfalls sehr sehr lecker.
Polen kennt viele Suppen, man isst auch viel Suppe in Polen, Salzgurkensuppe, Sauerkrautsuppe, Rote-Beete-Suppe. Selten ißt man diese vegetarisch, der Pole ist
ein Fleischesser, auch die Suppen werden zumeist auf Grundlage von Fleisch zubereitet.
Polen hatte bis vor wenigen Jahren die absolute Weltspitzenposition in Sachen Fleischverbrauch pro Kopf, lediglich von den USA mittwerweile eingeholt.
Um so erstaunlicher, dass man an Weihnachten, und 3 Tagen zuvor, kein Fleisch essen sollte, als Katholik, und 95% der Polen sind katholisch. Das Weihnachtsessen besteht aus 12 fleischlosen Gerichten,
eines jeweils einem der Apostel zugedacht. Man sollte jedes der 12 zumindest gekostet haben, bevor man in die Kirche geht. Nachdem man in der Kirche war, darf man wieder Fleisch essen.
Auch Alkohol ist zuvor nicht erlaubt.
Polens absoluter und dort völlig unumstrittener Nationalheld, Papst Johannes-Paul II, hat nur kurz vor seinem Tod für Polen dieses Dekret, an Weihnachten fleischlos zu leben, aufgehoben. Dennoch wird es vielerorts
aus Tradition weiter aufrecht erhalten.
In diesen Weihnachtsgerichten wird viel Fisch verwendet. Beliebtester Fisch in Polen ist der Karpfen, danach der Dorsch, Hering und Ostseelachs,
Forelle, Wels, Zander bis zum Hecht und dem Aal, der
jedoch eine eher untergeordnete Rolle spielt.
Hauptgemüse in Polen sind neben Kartoffeln der Weißkohl, gegessen werden jedoch auch viele weitere Gemüsesorten.
Gemüse wird in Polen meist voll durchgegart – die bissfeste Zubereitung ist selten zu finden.
Häufig wird gekochtes Gemüse mit in Butter gebräunten Semmelbröseln nappiert. Dies wird in der internationalen Küche als Polonaise bezeichnet.
Getrunken wird sehr viel Tee und Kaffee. Tee wird den ganzen Tag über getrunken, zumeist mit Zitrone und Zucker. Der Kaffee ist in seiner Grundzubereitung
in Polen ganz einfach, gemahlener Kaffee wird in einer Glastasse mit kochendem Wasser aufgegossen und hernach unter Rühren mit Zucker versetzt, Milch oder Sahne dazu. Wenn
der Satz sich gesetzt hat, trinkt man einen herrlichen Kaffee, an den selbst die beste Maschine geschmacklich nicht heranreicht.
Ansonsten Wasser, Fruchtsäfte oder Erfrischungsgetränke bis hin zum Cola. Importrezepte bekannter Marken sind hierbei ebenso zu finden wie einheimische
Produkte. Gewöhnungsbedürftig sind die vielen Wegwerfflaschen hierbei, teilweise bis 2 Litern Inhalt, hergestellt aus einem ganz dünnen Kunststoff.
Vorsicht ist beim Öffnen
angesagt, die Flaschen sind teilweise so dünn, dass sie nur vom Innendruck prall gehalten werden. Öffnet man diese freihändig stehend, drückt man die
Flasche nach dem aufschrauben des Deckels mit der Hand in sich zusammen und durch das veringerte Volumen läuft das Getränk oben heraus.
Aus diesem Grund sollte man solche Flaschen auf einem Untergrund stehend öffnen.
Polen gilt als Land der Biere. Getrunken werden vor allem Biere der weniger herben Art, vergleichbar mit dem deutschen Exportbier.
Die meistverkauften Marken lauten wohl Zywiec, Okocim, Piast, Warka, Lech oder Tyskie. Großer Beliebtheit erfreut sich zudem das Mischen
mit einem Fruchtsirup, Himbeer oder Erdbeer. Bier mit Cola gemischt oder als Radler ist hingegen eher unbekannt.
Im Jahr 2005 betrug der durchschnittliche Bierkonsum 80,4 Liter pro Kopf.
Es gibt auch Starkbier mit 10 bis 12 % vol. Alkoholgehalt, teilweise weist gerade der Name auch darauf hin.
Polnisches Bier wird zumeist pasteurisiert. Dadurch erreicht man eine erhebliche Steigerung der Haltbarkeit, auch in Polen schätzt man
zusätzliche Beigaben aus dem Chemiebereich im Bier überhaupt nicht, diese kommen demnach nicht vor, keiner würde das kaufen wollen. Weizenbier oder
naturtübes Bier ist nicht zu finden und wenn doch, wurde es importiert und kostet einen entsprechenden Preis.
Was man hierbei in Polen ungewohnt häufig findet sind Bierdosen. In Polen besteht kein Pfand auf Dosen.
Wein spielt eine eher untergeordnete Bedeutung, erfreut sich jedoch zunehmender Beliebtheit. Bevorzugt werden weniger trockene Weine, eher werden halbtrockene bis liebliche Weine
konsumiert, trocken zumeist nur im Bezug auf Rotwein. In Polen selbst wird verhältnismäßig wenig Wein angebaut, was sich sicherlich in den kommenden Jahren ändern wird.
Härtere Getränke sind vor allem der Wodka, hierbei sind beliebte Marken Chopin, Sobieski, Wyborowa, Zubrowka. Aber auch ausländische Marken wie der Finnische Absolut oder Smirnov
erfreuen sich reger Beliebtheit. Deutsche Erzeugnisse sind hierbei eher selten bis gar nicht zu finden, man geht in Polen davon aus,
das Wodka aus Gerste herzustellen ist. Deutscher
Wodka wird zumeist aus Trauben oder Traubenresten destiliert, man möchte das nicht in Polen, wenn es auch als Seltentrinker schwerfällt,
den Unterschied hierbei geschmacklich überhaupt
zu erkennen, diese Auseinandersetzung ist wohl eher ideologischer als geschmacklicher Art, Wodka ist in seiner reinsten Form eigentlich ein Wasser -
Alkoholgemisch ohne Fuselöle oder weitere Geschmacksstoffe.
Andere Spirituosen werden seltener genossen. Abwandlungen gibt es höchstens in der eigenen Zubereitung von solchen Getränken. Man kann in Polen
Trinkalkohol käuflich erwerben, der dann einfach mit Wasser gemischt wird oder beispielsweise mit süßem Tee oder gar Honigbeimischungen verfeinert wird.
Wenn man in Polen zusammensitzt und, was doch mal vorkommt, "einen trinkt", wird bewusster getrunken.
Das bedeutet zunächst die Trennung von Bier und Spirituosen, beides zusammen kommt nicht vor.
Spirituosen und Bier zusammen, wie hierzulande verbreitet, wird eigentlich
vermieden, aus gutem Grund, denn es führt zu einem schnellen Ende der gemütlichen Runde. Bei Wodka
wird dazu Tee, häufig Fruchtsaft oder Erfrischungsgetränke genossen, zudem wird hierbei deftig und vor allem stetig und immer wieder gegessen,
das Bigos kann hierbei sehr gut zum Einsatz kommen,
das auch kalt sehr gut schmeckt und mit seinem Fett eine immer wieder erneuerte Grundlage schafft, um die Wirkung des Alkohls erheblich herauszuzögern.
Es ist demnach ein Märchen, dass man sich in Polen in gemütlicher Runde sinnlos betrinkt oder die Polen viel mehr Alkohol vertragen.
Durch die andere Zusammenstellung, dem Trennen von Bier und harten
Getränken und vor allem der hierbei stetigen Nahrungszuführung wird lediglich erreicht, dass die Wirkung hierbei lange Zeit in Grenzen gehalten wird und man
dadurch erheblich größere Mengen, als in Deutschland unter hiesigen Trinkgewohnheiten vorstellbar, konsumieren kann.
Nachfolgend ein Link zu Rezepten:
Commons: Polnische Küche
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